Kann ich Anbieter wie Vodafone, 1&1, o2 weiterhin nutzen, wenn die Telekom Vectoring einsetzt?

Ja, ABER…

Die Bundesnetzagentur hat entscheiden, dass das Unternehmen, welches im Nahbereich den Vectoring Ausbau durchgeführt hat,  die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) ausschließlich mit eigener Technik versorgen darf. Technisch gesehen macht dies Sinn, da nur dann die Vectoring Technik funktioniert, wenn der Betreiber die volle Kontrolle über alle geschalteten Leitungen hat und somit die Störsignale eliminieren kann, um die höheren Geschwindigkeiten zu erzielen.

Technik der Mitbewerber muss abgebaut werden

Dies bedeutet für Mitbewerber, die bereits eigene VDSL Technik im Versorgungsgebiet verbaut haben,  einen möglichen und notwendigen Rückbau dieser Komponenten, sofern sich diese im Nahbereich der Vermittlungsstelle befinden!

Bistrom Zugang – (k)eine Alternative?

Will nun ein Mitbewerber weiterhin seine Produkte im Versorgungsgebiet anbieten, so kann er keine eigene TAL mehr für den Kunden direkt schalten. Die Bundesnetzagentur hat für dieses Szenario den sogenannten Bitstrom Zugang (Bitstream Access) genehmigt. Die Mitbewerber nutzen hierbei die verbaute Technik der Telekom, um ihre Tarife / Anschlüsse bei einem Bestands- oder Neukunden schalten zu können. Im Detail bedeutet dies, der Mitbewerber mietet bei der Telekom nicht die Leitung, sondern den Datenstrom, der über die Leitung transportiert wird (Layer-2-Zugang).

Hohe Zugangskosten lassen Re-Monoploisierung zugunsten der Telekom befürchten

Die Bundesnetzagentur hat die Konditionen für den Bitstrom Zugang festgelegt. So waren für eine TAL (eigene Kupferleitung)  in der Vergangenheit 10,02 EUR (ab dem Hauptverteiler) und 6,77 EUR (ab dem Kabelabzweiger) als Miete des Mitbewerbers an die Telekom zu entrichten. Mit Festlegung der Konditionen durch die Bundesnetzagentur sind bei Einsatz von Vectoring durch die Telekom im Nahbereich in Zukunft für ein ADSL Produkt des Mitbewerbers (bis zu 16 Mbit/s) 15,77 EUR, für VDSL 16/25 und 50 Mbit/s 18,56 EUR und für VDSL 100 19,10 EUR Miete fällig.

18 Mitbewerber, darunter Vodafone, NetCologne und MNet, hatten gegen diese Festlegung bereits eine Klage eingericht, welche aber vom Verwaltungsgericht Köln im März 2017 abgewiesen wurde. In diesem Urteil heißt es:

..das Gericht betont, dass die Bundesnetzagentur bei ihrer Entscheidung ihr Regulierungsermessen ausgeübt und keine Fehler gemacht habe. Die Telekom hatte sich verpflichtet, die betroffenen Nahbereiche auch auszubauen. Das habe positive Auswirkungen auf die Breitbandpläne der Bundesregierung und sei von der Regulierungsbehörde zu berücksichtigen gewesen, so die Kammer weiter. Darüber hinaus hält das Gericht die in der Entscheidung der Bundesnetzagentur vorgesehenen TAL-Alternativen für ausreichend.

Was ändert sich für den Kunden?

Ob sich die geänderten Mietkonditionen, welche die Mitbewerber dann in Zukunft an die Telekom zu entrichten haben, auf den Endkunden umgelegt werden, bleibt abzuwarten. Gleicht das durch die Bundesnetzagentur genehmigte Verfahren doch wieder einer Re-Monopolisierung pro Telekom, ist dies für den Wettbewerb unter den Providern nicht zuträglich, da technische Alternativen nicht mehr zur Verfügung stehen!

In Deutschland wird Breitbandausbau in vielen Gebieten auch finanziell gefördert. VDSL Vectoring darf hier aufgrund von EU-Auflagen nicht eingesetzt werden. Vectoring wird von allen Anbietern, die primär Glasfaser bis zu den Gebäuden der Kunden ausbauen wollen, als Brückentechnologie gesehen. Sie fühlen sich durch den Vectoring-Ausbau behindert, da der Ausbau schneller und günstiger ist, als ein direktes Glasfaserkabel zu verlegen. Allerdings müsste in einigen Jahren in Vectoring-Gebieten erneut investiert werden, wenn die Glasfasernetze weiter ausgebaut werden müssten.

Die Bundesnetzagentur will jetzt auf einmal doch beschleunigten Glasfaserausbau

Umso unverständlicher ist es, das die Bundesnetzagentur im gleichen Zuge den Breitbandausbau in Deutschland via Glasfaser fordert!

Die Vectoring-Regulierung hat der BNetzA den Vorwurf eingebracht, zu stark auf Kupfer-Technik und die Telekom zu setzen. Nachdem die Politik nun flächendeckend Glasfaser fordert, muss die BNetzA ein Konsul­tations­ver­fahren zum Glas­faser­aus­bau starten.

Weitere Informationen finden Sie hier

Quelle: teltarif.de, golem.de

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